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<title>Gentry</title>
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<p>Als <b>Gentry</b> (auch <i>Landed Gentry</i>) bezeichnet man auf den <a href="Britische_Inseln" title="Britische Inseln">britischen Inseln</a> den niederen <a href="Adel" title="Adel">Adel</a>, in Abgrenzung zum höheren Adel (<a href="Peer_(Adel)" title="Peer (Adel)">Peerage</a> oder Nobility).
</p><p>Der Begriff des <a href="Gentleman" title="Gentleman">Gentleman</a> bezeichnete ursprünglich einen männlichen Angehörigen der Gentry.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklung">Entwicklung</h2></div>
<p>Der Begriff <i>Gentry</i> leitet sich vom <a href="Altfranz%C3%B6sische_Sprache" title="Altfranzösische Sprache">altfranzösischen</a> <i>genterie</i> (Adel) ab und bezeichnete im <a href="Mittelalter" title="Mittelalter">Mittelalter</a> zunächst den <a href="Britischer_Adel" title="Britischer Adel">gesamten Adel</a> und war <a href="Synonym" title="Synonym">synonym</a> mit dem Wort <i>Nobility</i>. Zum Ende des Mittelalters hatte sich im <a href="K%C3%B6nigreich_England" title="Königreich England">Königreich England</a> eine Unterscheidung der Adligen zwischen den zahlenmäßig beschränkten Inhabern substantieller Titel mit Sitz im <a href="House_of_Lords" title="House of Lords">House of Lords</a> <i>(Nobility</i> oder <i><a href="Peer_(Adel)" title="Peer (Adel)">Peerage</a>)</i> und den übrigen Adligen, die nur vornehm und zur Wahl des <a href="House_of_Commons" title="House of Commons">House of Commons</a> berechtigt waren <i>(Gentry),</i> herausentwickelt.
</p><p>Das Recht zur Wahl der Abgeordneten der <a href="County" title="County">Countys</a> (<a href="Knight_of_the_Shire" title="Knight of the Shire">Knights of the Shire</a>) zum House of Commons war 1429 auf reiche Grundbesitzer beschränkt worden, deren Jahreseinkünfte aus freiem Grundeigentum mindestens 40 <a href="Shilling" class="mw-redirect" title="Shilling">Shilling</a> (zwei <a href="Pfund_Sterling" title="Pfund Sterling">Pfund Sterling</a>) betrugen (sog. <i>forty-shilling freeholders</i>). Auch für das Recht zur Wahl der Abgeordneten der <a href="Borough" title="Borough">Boroughs</a> <i>(Burgesses)</i> ins House of Commons war der örtliche Grundbesitz <i>(Burgage)</i> maßgeblich. Da ihr definierendes Merkmal ihr Grundbesitz war, wurden diese Grundbesitzer als <b>Landed Gentry</b> bezeichnet. Diese Grundbesitzer entstammten meist <a href="Ritter" title="Ritter">ritterbürtigen</a> und <a href="Wappner" title="Wappner">wappenführenden</a> Familien. Auch der landbesitzende <a href="Klerus" title="Klerus">Klerus</a> zählte zur <i>Landed Gentry</i> und auch reiche Bürger, die entsprechenden Grundbesitz erwarben, konnten in die <i>Landed Gentry</i> aufsteigen. Kennzeichnend für Angehörige der <i>Landed Gentry</i> war meist, dass sie ihren Lebensunterhalt vollständig durch die Verpachtung ihrer Ländereien bestreiten konnten – Ämter bekleideten Mitglieder dieser Schicht meist nur aus Prestigegründen.
</p><p>Angehörige der Gentry trugen keine Peerstitel, sie konnten allenfalls <a href="Ritter" title="Ritter">Ritterwürden</a> (die nicht-erbliche <a href="Knight" title="Knight">Knighthood</a> oder ab 1611 die erbliche <a href="Baronet" title="Baronet">Baronetage</a>) innehaben oder nichtadlige feudale Besitztitel <i>(Lord of the Manor)</i> führen.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Mehrheit hatte keine Adelstitel inne, als Hinweis auf ihre edle Herkunft führten sie dann meist den Namenszusatz <a href="Esquire_(Titel)" title="Esquire (Titel)">Esquire</a>.
</p><p>Der Begriff der Gentry weitete sich ab dem 16. Jahrhundert auf eine nicht genau abgegrenzte Schicht aus, die sich nach oben zur Peerage und nach unten zu den Freien (<a href="Yeoman" title="Yeoman">Yeomen</a> und <a href="B%C3%BCrgertum" title="Bürgertum">Bürgern</a>) mit keinem eigenen oder zu wenig Grundbesitz sowie den <a href="Unfreie" class="mw-redirect" title="Unfreie">Unfreien</a> abgrenzen lässt. Gesellschaftlich werden auch Familienangehörige von <i>Forty-shilling freeholders</i> zur Gentry gezählt. Anders als beim Adel auf dem europäischen Festland, wo die Adelstitel eher ganzen Familien als Einzelpersonen verliehen werden und wo es durchaus möglich ist, dass mehrere Familienmitglieder gleichzeitig denselben Titel führen, haben britische Adelstitel stets nur einen lebenden Inhaber. Familienangehörige von Peers, die keinen eigenständigen substantiellen Titel innehaben, zählen insofern nicht zur Peerage, sondern ebenfalls zur Gentry.
</p><p>Seit dem 19. Jahrhundert wurden <a href="Nobilitierung" title="Nobilitierung">Nobilitierungen</a> (insbesondere zum <a href="Knight" title="Knight">Knight</a>) als Auszeichnung auch an Personen verliehen, die nicht über ausreichenden Grundbesitz verfügten, um im engeren Sinne zur „Landed“ Gentry zu gehören, etwa an Akademiker und Künstler. Diese werden ob ihrer Ritterwürde dennoch im weiteren Sinne zur <i>Gentry</i> gezählt. Ab 1832 wurden durch mehrere Wahlrechtsreformen (<a href="Reform_Act_1832" title="Reform Act 1832">Reform Act 1832</a>, <a href="Reform_Act_1867" title="Reform Act 1867">Reform Act 1867</a>) die Vorrechte der Gentry bei der Wahl zum House of Commons eingeschränkt und schließlich aufgehoben, wodurch die Abgrenzung der Gesellschaftsschicht der Gentry zum gehobenen Bürgertum weiter verschwamm.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anwendung_auf_China">Anwendung auf China</h2></div>
<p>Außerhalb <a href="Vereinigtes_K%C3%B6nigreich" title="Vereinigtes Königreich">Großbritanniens</a> gab es eine vergleichbare Schicht auch in <a href="China" title="China">China</a>, wo der Begriff besonders in der englischsprachigen Fachliteratur auf das etwa eine Prozent der Bevölkerung angewandt wird, das die primäre <a href="Chinesische_Beamtenpr%C3%BCfung" title="Chinesische Beamtenprüfung">Chinesische Beamtenprüfung</a> absolviert hatte und zugleich eine örtliche Berühmtheit besaß. Diese Prüfung wurde erst 1905 durch die <a href="Petition" title="Petition">Eingaben</a> und Anträge der Reformer (u. a. <a href="Zhang_Zhidong" title="Zhang Zhidong">Zhang Zhidong</a> und <a href="Yuan_Shikai" title="Yuan Shikai">Yuan Shikai</a>) in den 1890er Jahren abgeschafft.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anwendung_auf_Ungarn">Anwendung auf Ungarn</h2></div>
<p>In <a href="Ungarn" title="Ungarn">Ungarn</a> verbreitete sich der Begriff in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und fand noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Anwendung. Im Gegensatz zu Großbritannien wurden in Ungarn verarmte und landlose Angehörige des Adels Gentry <i>(dzsentri)</i> genannt, die trotz ihres fehlenden Vermögens an ihrer gesellschaftlichen Position und an ihren Traditionen festhielten. Einzige Erwerbsquelle der ungarischen Gentry blieb der Staatsdienst. Von der Gentry zu unterscheiden ist der sog. „Bundschuh-Adel“ <i>(bocskoros nemesség),</i> der überwiegend aus verarmten Kleinadligen oder geadelten Bauern bestand und sich in seiner Lebensweise nicht von den Bauern unterschied. Im 19. Jahrhundert gehörten etwa 5 % der ungarischen Bevölkerung dieser Gesellschaftsschicht an. Sowohl „Gentry“ als auch „Bundschuh-Adel“ sind Bezeichnungen für Phänomene im ausgehenden ungarischen Feudalismus.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Gentrifizierung" title="Gentrifizierung">Gentrifizierung</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Zu diesen zählen auch die <a href="Schottland" title="Schottland">schottischen</a> Titel <i>Baron</i> und <i><a href="Laird" title="Laird">Laird</a></i>.</span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Peter Coss: <i>The origins of the English gentry.</i> Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-02100-6.</li></ul>
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